Wenn die Engel für Gott spielen, so spielen sie Bach, füreinander spielen sie Mozart.

Sir Isaiah Berlin

Heile die Seele, nicht die Krankheit.

Dr. Edward Bach

9 Bachstädte und Bachorte. Welche verbindet man eigentlich mit Bach?

Sie kennen sich bereits mit Johann Sebastian Bach und dessen Leben aus? Und wissen nicht, welches denn nun der neunte der Bachorte oder die neunte der Bachstädte sein soll? Gut ...! Gut, dass ich nicht 33 erwähnt habe, denn so viele Gemeinden, Orte und Städte lassen sich sogar – im weitesten Sinne – mit Johann Sebastian Bach verbinden. Nicht direkt. Oder doch?

 

Die neunte, das wollten Sie wissen? Denn Sie nummerieren folgendermaßen: Zunächst Eisenach (1), dann Ohrdruf (2), dann Lüneburg (3), anschließend lassen wir Weimar zum Ersten unter den Tisch fallen, da war er zu kurz und Weimar "kommt später nochmals". Also geht's weiter mit Arnstadt (4), anschließend Mühlhausen (5), nun heiratet er im winzigen Dornheim bei Arnstadt (6), zieht dann nach Köthen (7) und verbringt schließlich ganze 27 Jahre in der sächsischen Musik-Metropole Leipzig (8).

 

Die erste der Bachstädte, die mit der Wartburg, dem Wahrzeichen hoch über der Stadt, ist auch eine der beeindruckendsten: Eisenach. In der Bachstadt Eisenach ist Johann Sebastian Bach geboren. Hier hat er fast 10 Jahre mit seinen Eltern gelebt, bis im Alter von neun Jahren zuerst seine Mutter und ein Jahr darauf zunächst der Onkel und dann auch noch der Vater starben.

 

Sie warten auf die neunte der Bachstädte. Richtig?

Für die meisten Menschen ist Johann Sebastian Bach der Komponist schlechthin. Das ist Bach ganz besonders auch für Musiker, Amateure unbd Profis. Seit etwa 300 Jahren. Für wenige Andere allerdings ist die ganze Musikerfamilie Bach spannend. Und dann spielt ein weiterer Bachort ein ganz gewaltige Rolle: Es ist Wechmar, die Nachbargemeinde der Bachstadt Gotha. Hier nämlich beginnt die Geschichte der Bache, wie sie damals hießen. Und damit ist Wechmar schließlich die Nummer 9. Veit Bach war nämlich der erste Musikant in der Familie. Eine Urkunde erwähnt seinen Tod im Jahre 1619. Er spielte ein Cythringen, eine frühe Form der Zitter zum Takt der Mühle in Wechmar. Mit ihm wird aus der Familie Bach die Musikerfamilie Bach.

 

Die St. Viti Kirche im Bachort Wechmar: Hier finden Bach-Fans die Wurzeln der berühmtesten Musikerfamilie der Welt.

 

Die St. Viti Kirche im ersten der bedeutenden Bachorte in Thüringen. Darüber sind sich die Bach-Biografen einig, wieder über runde 250 Jahre lang. Vitus Bach ist nach dem Schutzheiligen dieser Kirche benannt, Viti heißt Vitus. Johann Sebastian Bach ist Ururenkel und erwähnt selbst seinen Ururgroßvater in einer von ihm persönlich 1735 zusammen gestellten Liste, dem "Ursprung der musicalisch-Bachischen Familie". Dieses Wechmar, einer der zwei kleineren, aber dennoch wichtigen Bachorte, wartet dabei gleich mit vier Sehenswürdigkeiten zum Thema Johann Sebastian Bach auf: Der eben genannten St. Viti Kirche, dem Bach-Stammhaus, der Veit-Bach-Mühle und dem liebevoll wieder hergestellten Schulhaus, in dem ein Bach der Familie lehrte. Und heute ein Bach wohnt, sogar ein Bach dieser Musikerfamilie. Der Bachort Wechmar ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Ganz besonders, wenn man Arnstadt als Ziel in Sachen Bach hat.

 

 

Die Veit-Bach-Mühle in einem der kleinsten Bachorte. In Wechmar wurde aus der Familie Bach die Musikerfamilie Bach. Veit Bach hieß der Stammvater der Musikerfamilie und Johann Sebastian Bach war dessen Ururenkel.

 

 

Zurück in die Bachstadt aller Bachstädte, Eisenach. Hier ist Johann Sebastian Bach geboren ... aber nicht im Bachhaus. Das glaubte man allerdings zwei Jahrhunderte lang. Heute weiß man es besser. Die Geburt passierte ein paar Häuser weiter Richtung Stadtmitte. Die Hinweis-Tafel am Bachhaus aber ist jetzt selbst zur Geschichte geworden.

 

 

Das liebliche Ohrdruf ist die nächste Station in der Reihe der Bachstädte. Hier gibt es die höchste Dichte an Bach-Denkmälern pro Tausend Einwohner auf der Erde: nämlich zwei!

 

 

Ohrdruf liegt auch in Thüringen und ist die Gemeinde, die Wechmar am nächsten liegt. Und das heißt jetzt was? Dass man Ohrdruf und Wechmar sowie die Bachstadt Gotha am besten "als Trilogie" besucht. Johann Sebastian zog – nach dem Tod der Eltern –mit seinem älteren Bruder zu seinem ältesten Bruder nach Ohrdruf. Dieser älteste Bruder war natürlich ebenfalls Musiker. Alle Bachs dieser sogenannten Ohrdrufer Linie später waren Kantoren an der Hauptkirche der Stadt: über 100 Jahre lang ununtebrochen.

 

 

Die Bachstadt Ohrdruf wartet gleich mit zwei Bach-Denkmälern auf. Dieses Denkmal zitiert Ludwig van Beethoven, der über Bach meinte: "Nicht Bach, Meer sollte er heißen".

 

 

In Ohrdruf wurde Johann Sebastian Bach sehr viel besser in seiner Schulleistung. Das allerdings lag schlichtweg daran, dass er nicht, wie noch in Eisenach, mit dem Vater zu Festen, Hochzeiten und Begräbissen aufspielte, um das tägliche Geld für eine große Familie mitzuverdienen.

 

 

Das Schloß Ehrenfels in der zweiten der größeren Bachstädte, Ohrdruf. Kurze Zeit nachdem mein Mann viele, viele Fotos dort fotografierte, wütete ein heftiger Brand mit katastrophalen Folgen.

 

Lüneburg, die nördlichste der wichtigen Bachstädte: Hier lernt Bach mit Schulfreund Georg Erdmann 

Die dritte der größeren Bachstädte: Lüneburg. Im Bild das Rathaus. Hierhin lief Johann Sebastian mit seinem Schulfreund Georg Erdmann.

 

An der Michaelisschule lernten Johann Sebastian Bach und sein Schulfreund Georg Erdmann. Bis sie nach ihrem Abschluß wieder nach Süden, nach Thüringen zurück wanderten. Beide schlossen ihre Zeit in Lüneburg mit Bravur ab und Johann Sebastian hätte an einer Universität, zum Beispiel in Leipzig, studieren können. Wollte er aber nicht ... Bach wollte nun endlich Musik machen und damit sein Geld verdienen. Wo sich Bach das erste Halbjahr nach der Rückkehr aus Lüneburg aufhielt, ist nicht bekannt. Man vermutet, bei der Schwester in Erfurt oder nochmals bei seinem ältesten Bruder in Ohrdruf.

 

 

Arnstadt in Thüringen ... die Vierte der Bachstädte: Unsere Lieblings-Bachstadt von allen, neben Eisenach

Lassen wir die erste Episode Weimar beiseite – sie war weder in ihrer Dauer, noch mit dem, was Bach dort tat, für ihn besonders spannend – dann ist Arnstadt die nächste große Station im Leben des Meisters. In Arnstadt ist Bach noch jung. Fast noch ein Jugendlicher. Aber in Arnstadt gibt es Probleme. Drei richtig große Probleme. Da ist zunächst sein Urlaub. Er beantragt vier Wochen Urlaub, sorgt natürlich für einen Stellvertreter – auch ein Bach aus der Familie – und kommt aber erst nach 12 Wochen wieder zurück. Problem 1.

 

Johann Sebastian Bach ist auch Chorleiter. Und zunächst macht das Musizieren mit den Chorschülern auch allen Spaß. Aber Johann Sebastian Bach ist Perfektionist. Und so gut wollen einige der Schüler gar nicht singen können. Sie stören, zunächst unbewusst, dann aber sogar mutwillig. Bach nennt den Schüler Geyersbach einen "Zippelfagottist", damals kein netter Spitzname, sondern eine richtige Beleidigung. Der fordert eines Nachts, als Bach auf dem Nachhauseweg ist, den Kantor auf, sich zu entschuldigen. Zusammen mit fünf Freunden, die alle mit Knüppeln bewaffnet sind, bleibt Bach nichts andereres übrig, als den Degen zu ziehen, der damals zur Hoftracht gehört. Den Burschen wird das schließlich doch zu gefährlich ... und sie türmen. Bach beschwert sich beim Rat der Stadt. Der aber gibt ihm nicht Recht, denn die sechs Jugendlichen gehörten zu den angesehenen Familien der Bachstadt Arnstadt. Das war Problem 2.

 

Schließlich gibt es den Vorfall in einer der Kirchen zu Arnstadt: Bach lässt eine fremde Jungfer auf der Empore in der Kirche singen. Zur damaligen Zeit eine Ungeheuerlichkeit. Auch das erregt den Unwillen von Rat und Bevölkerung: Problem Nummer 3.

 

Die Bach-Kirche hieß zur Zeit von Johann Sebastian "Neue Kirche" ... klar hieß sie damals noch nicht Bach-Kirche. Heute aber schon.

 

 

Das Rathaus in unserer liebsten der sieben Bachstädte ... nämlich Arnstadt. Dies ist der Blickwinkel aus der Sicht von Johann Sebastian Bach, sozusagen: Genau so sieht er zum Rathaus, lehnt am Sockel seines Denkmals, flegelt eigentlich mehr davor herum. Und Sie fragen sich, warum es denn nun sieben Bachstädte sind, und nicht neun. Das liegt einfach daran, dass sowohl Dornheim, wie auch Wechmar eben Bachorte sind, nicht Bachstädte. Und Bachdörfer klingt irgendwie nicht schön genug. Zu genau diesem Denkmal dieses Absatzes kommen Sie übrigens easy. Und zu allen anderen Bach-Denkmälern auch. Einfach auf den Button hier klicken.

Mühlhausen, die vorletzte Bachstadt in Thüringen. Hier entstand die erste berühmte Komposition von Bach zum Ratswechsel: Die Kantate "Gott ist mein König!"

Als Johann Sebastian Bach in Arnstadt keine Lust mehr hatte, eben weil man ständig unberechtigt an ihm herumnörgelte  – wie er es empfand – wußte man in Mühlhausen bereits von dieser Situation. Und so bot man Bach kurzerhand ebenfalls die Stelle als Kantor an. Spannend ist, dass Bach sowohl in Arnstadt, wie auch in Mühlhausen später nicht nur mehr Gehalt bekam als bei seiner Anstellung zuvor, sondern auch mehr Salär, als der Musiker, der dieses Amt vorher bekleidete.

 

Beinahe allerdings hätte der Rat von Mühlhausen den Vertrag mit Johann Sebastian Bach dann aber doch nicht unterschrieben. Zwischen der Verhandlung mit dem Kantor von Arnstadt und dem Beginn seiner Tätigkeit in Mühlhausen gab es in Mühlhausen nämlich ein Feuer apokalyptischen Ausmasses: 400 Häuser brannten nieder, viele davon samt Stallungen. Der Rat unterschrieb schließlich aber doch ... sonst wäre Mühlhausen heute keine der Bachstädte. Allerdings stiegen die Lebenshaltungskosten wegen des Brandes so dramatisch, dass dies schon kurze Zeit später einer der Gründe war, warum Bach sich nach kurzer Zeit bereits wieder weiter orientierte.

 

Die "Schoko-Ansicht" von Mühlhausen, ganz sicherlich die Bachstadt der Bachstädte mit den meisten Kirchen und Türmen. "Mulhusia ... die Stadt der Türme und Tore" ... so nennt sich nämlich die Stadt im westlichen Thüringen. Dass Mühlhausen auch Hansestadt ist, vermuten die Wenigsten. Johann Sebastian Bach blieb hier etwa nur ein Jahr, bis er weiterzog ... an den Hof nach Weimar.

 

 

Eine von sogar zwei gewaltigen Kirchenbauten in Mühlhausen. In der Mühlhausener Zeit heiratete Johann Sebastian Bach. Gleich drei Bachstädte mit imposanten Kirchen boten sich für diesen Event an. Johann Sebastian aber entschied sich für die romantische Variante. Er heiratete in einem der kleinen Bachorte, nämlich in Dornheim, keine zwei Minuten Minuten mit dem Auto – heute – von Arnstadt entfernt, in einer kleinen, winzigen, sympathischen Kirche. Heute ist das die sogenannten Traukirche.

 

 

Tatsächlich romantischer und auch übersichtlicher: die Dorfkirche in einem der beiden kleinen Bachorte in Thüringen. Hier traute ein Freund Johann Sebastian Bach und dessen Maria Barbara Bach, geborene Bach. 

 

 

Auch eine Beföderung: Herzog Wilhelm Ernst wirft Johann Sebastian Bach ins Gefängnis. Weimar: Was für eine besondere unter den Bachstädten Thüringens!

Eigentlich fing es ganz gut an ... in der nächsten der Bachstädte in Thüringen, in Weimar. Bach wurde Musiker am Hofe, spielte und komponierte. Ein Kind nach dem anderen kam dort zur Welt. Allerdings überlebten von sieben nicht alle. Zeitsprung. Nach etwa acht Jahren wird er schließlich zum Kapellmeister befördert. Aber Johann Sebastian Bach will die Karriereleiter eigentlich noch schneller und weiter erklettern. Doch ein schlechterer Musiker wird bevorzugt: Schon damals gab es Vetternwirtschaft. Das sieht Bach nicht ein, beschwert sich, wird nicht angehört, will den Hof verlassen, braucht dazu aber das Okay von Herzog Wihelm Ernst. Der lässt sich aber nicht sprechen. Bach allerdings hatte den Vertrag mit Fürst Leopold von Sachsen-Anhalt in Köthen bereits unterschrieben. Bach beschwerte sich – im Wortlaut unangemessen – und Herzog Wilhelm Ernst ließ Bach ganze 4 Wochen lang einsperren. Auch das ist ein Weg, in die Geschichte einzugehen: Ohne diese Entscheidung des Herzogs wüssten wohl heute nur noch ganz wenige Menschen dessen Namen. In Dresden gewinnt Bach in dieser Weimarer Zeit übrigens auch den wohl denkwürdigsten Musik-Wettbewerb der Menschheit ... deswegen ist Dresden übrigens auch eine der Bachstädte.

 

Der Herr links ist nicht Bach und der Herr rechts ist es auch nicht. Wen Sie hier sehen, sind die Freunde Goethe und Schiller. Die Bachstadt Weimar ist übrigens die einzige der Bachstädte, die weder Bach-Museum noch Bach-Haus hat. Hoffentlich nur "noch" nicht. Und vielleicht muß man den größten Tonsetzer und Tondichter der Menschheit – genauer eigentlich: sein Denkmal – eines Tages auch nicht mehr suchen.

 

 

Das Stadtschloss in der einzigen der Bachstädte ohne Bach-Museum. Das Stadtschloss steht gleich neben dem Bach-Denkmal. Pi mal Daumen. Und besser ... das Denkmal für Johann Sebastian Bach steht ganz in der Nähe des Stadtschlosses. Wie auch immer: Weimar lohnt sich. Sehr. Unbedingt.

 

Nachweislich die einzige aller Bachstädte, in der Johann Sebastian Bach mit seinem Boss Leopold und seiner Gattin Maria Barbara alt werden wollte: Köthen! 

Köthen war für Johann Sebastian Bach das Paradies. Hätte man den Terminus "Bachstädte" damals schon benutzt, wäre es für ihn sicherlich die "Bachstadt der Bachstädte" überhaupt gewesen. Dass er so dachte, ist glasklar überliefert. Was er von den anderen Bachstädten hielt, besonders ja auch von Leipzig, wissen wir ebenfalls: auch durch Zeitdokumente. Fürst Leopold war selbst Musiker, in Köthen gab es eine superbe Musik-Kapelle mit richtigen Profi-Musikern und Bach und der Fürst wurden schon bald gute Freunde.

 

Doch eines Tages, als er mit Fürst Leopold von einer Reise "nach dem Karlsbade" zurückkehrte, war seine Maria Barbara überraschend gestorben und man hatte sie natürlich auch bereits beerdigt. Bach heirate erst ganze 18 Monate später wieder. Und hatte mit seiner zweiten Frau Anna Magdalena anschließend weitere 13 Kinder. Die Frau des Fürsten allerdings  der heiratete etwa zur selben Zeit hatte überhaupt keinen Sinn für jede Art von Musik. Und so entfernte sich auch der Fürst von diesem Hobby. Das Geld wurde außerdem schließlich knapp und Johann Sebastian Bach wollte für seine Kinder auch eine optimale Ausbildung. Und die gab es nicht in Köthen, aber sie gab es in Leipzig.

 

 

An beeindruckenden Gebäuden kann es nicht gelegen haben, dass Johann Sebastian auch die vorletzte der Bachstädte auf seiner Lebensreise schließlich verließ. Dort erinnerte ihn auch noch nach langen 18 Monaten natürlich jeder Quadratmeter an seine erste Frau.

 

 

Und am Rande sei es auch einmal bemerkt: Köthen ist nicht nur eine der spannenden Bachstädte und eine der Bachstädte außerhalb Thüringens, sondern für jeden Fotografen eine helle Freude.

 

 

Bachstadt aller Bachstädte überhaupt: die Musik-Metropole Leipzig. Bach wird Thomaskantor

So war Johann Sebastian Bach: Nicht zu lange Musikstücke sollte er laut Anstellungsvertrag in Leipzig komponieren. Aber ... lang ist relativ, meinte Bach, und so schuf er die Matthäus-Passion – ein Wunderwerk – mit einer Länge von runden drei Stunden. In der ersten Epoche in Leipzig war Bach so deprimiert vom Leben und seinem Arbeitsplatz an der Thomasschule, dass er den berühtmen Brief an seinen Schulfreund Georg Erdmann schrieb. Im Wortlaut gibt es ihn übrigens hier in ganzen vier Varianten. Schon der Start in Leipzig war eine Katastrophe: Monatelang ließ sich der Rat von Leipzig Zeit für eine ein Antwort auf Bachs Bewerbung. Ganze drei Mal war der Posten schon vorher ausgeschrieben und mehrere Musiker wollten diese Stelle gar nicht antreten. Und so begannen die Leipziger, genauer der damalige Stadtrat von Leipzig, denn die Zusammenarbeit – immerhin 27 Jahre – sinngemäss mit der Aussage, wenn sie schon keinen erstklassigen Musiker für diese Position verpflichten konnten, dann wäre einer aus der dritten Reihe eben auch okay. Das ... über Bach. Mit einem Rektor der Thomasschule mit dem Namen Gesner wurde in Leipzig später aber doch Alles besser. Leider nur kurze vier Jahre lang. Dann ging der Streit zwischen Bach, dem Stadtrat, den Rektoren der Thomasschule und der Universität wieder los. Jeder gegen Jeden ... und mit wechselnden Bündnissen, sozusagen.

 

Der Präfekten-Streit ist einer der schlimmen Tiefpunkte in Bachs Leben. Mehr dazu lesen Sie hier. Die Verleihung des Titels "Königlich Polnischer und Kurfürstlich Sächsischer Hofkomponist" war eines der Highlights in Bachs Leben. Und schließlich ist auch ein Zusammentreffen mit einem der bedeutendsten Könige überhaupt der Höhepunkt im Leben von Johann Sebastian Bach:

 

In Potsdam und Berlin spielt Bach vor dem König von Preußen, König Friedrich II auf dessen Instrumenten. Er improvisiert meisterhaft und komponiert später für den König das Musicalische Opfer, das er ihm außerdem sogar widmet. Friedrich II bedankt sich aber nicht einmal, bezahlt Bach auch letztlich nicht und so hat auch dieses Highlight in Bachs Leben ein bleibendes Geschmäckle.

 

Die imposanteste aller Bachstädte: Leipzig. Hier arbeitete und lebte Johann Sebastian 27 Jahre. Oben sehen Sie das Rathaus der Stadt an der Pleiße.

 

 

Die Thomaskirche. Überhaupt die Kiche schlechthin im Leben von Johann Sebastian Bach. Hier war er Thomaskantor. Hier erlebte er höchste Höhen und tiefste Depressionen in seinem Leben. Zweifellos ist Leipzig die letzte der wichtigen Bachstädte ... aber Sie werden sich wundern, wie viele Städte außerdem noch Bachstädte sind. Die dann allerdings ... nur im weitesten Sinne.

 

 

Alle dürfen hier nicht ... aber die schönsten: Die 10 bis 20 von insgesamt 33 Bachstädten und Bachorten

Zunächst: Man könnte 50 Bachstädte und Bachorte deklarieren. Aber für uns fängt die Übertreibung bei der Nummer 34 an. Bachstädte – im weitesten Sinne – sind in Thüringen und in Deutschland nicht nur die Städte, in denen Johann Sebastian Bach lebte und wirkte, sondern eben auch Gemeinden und Metropolen, in denen er nur wirkte ... aber eben nicht lebte. Und wo will man da aufhören zu zählen, sie zulassen oder sie ausschließen.

 

Nun, das geht durchaus. Wenn ein Ort heute nicht mehr existiert und zu Bachs Zeiten auch nur 123 Einwohner hatte: Dann scheidet er aus, wenn nicht sicher ist, ob er dort auch spielte. Außerdem ist eine Stadt dann keine der Bachstädte, wenn Bach dort nur einmal gewesen ist, aber nicht wenigsten dort musiziert hat.

 

Hinzu kommen allerdings – besonders in Thüringen – Städte, die alleine durch ihre Bedeutung für die Musikerfamilie Bach von Wichtigkeit sind. Sie sind sozusagen Bachstädte oder eben Bachorte "der anderen Art", sozusagen, wi gesagt. Wechmar ist ja so ein kleiner, aber eben bedeutender Bachort. Erfurt hat gewaltige Bedeutung. Nicht weniger als 60 Einträge zu den verschiedensten Bache – wie sie damals hießen – findet man in den Kirchenbüchern. Gotha ist eine Bachstadt, Dresden selbstverständlich auch. Und ebenso sind Berlin und Potsdam Bachstädte. Lübeck ist unbedingt eine der bedeutenden Bachstädte, denn hier hätte Bach beinahe seine Maria Barbara Bach nicht geheiratet (... wie so etwas geht, lesen Sie zum Beispiel in der Biografie über Bach für Kinder mit Vitus und Balthasar ... oder auch bei "Bach über Bach"). Weißenfels muss auf diese Liste, denn dort betreute Bach die Hofkapelle des dortigen Regenten.

 

Hamburg, Karlsbad und Kassel sind ebenfalls Bachstädte. Andisleben dagegen ist ausgesprochen grenzwertig. Allerdings nicht für genau den Zweig der berühmten Musikerfamilie, der in die USA auswanderte. Für ihn ist Andisleben eine der wichtigsten Bachstädte überhaupt. Stichwort: Bach-Genealogie. Wenn Andisleben auch eher ein Bachort ist, als eine Bachstadt.

 

 

Die nördlichste der Bachstädte: Lübeck. Hierhin wanderte Johann Sebastian Bach ebenfalls zu Fuß. Nochmals schlappe 100 Kilometer weiter als von Ohrdruf nach Lüneburg. Wer wollte Lübeck die Zugehörigkeit zu den Bachstädten "der zweiten Reihe" verwehren?

 

 

Erfurt ... eine der besonders beeindruckenden Bachstädte. An dieser Stelle wollen wir an Bach-Forscherin Frau Helga Brück erinnern: Durch sie sind wir in unserer eigenen Genealogie den entscheidenden Schritt voran gekommen. Leider ist sie viel zu früh und vollkommen unerwartet 2013 gestorben. Ein kleines Video, an dem wir gemeinsam viel Spaß mit ihr und auch ihrer Tochter hatten, erinnert an die Bach-Forscherin und Bach-Autorin. Das Video können Sie ganz unten auf dieser Seite ansehen. Dort gibt es auch viele weitere superkurze und niedliche Videos, falls Sie inzwischen mehr über die Bachstädte sehen wollen. Alle sind mit Bachs Musik und aber auch mit moderner Musik untermalt und alle sind von Profis gesprochen.

 

 

Gotha, hier das Rathaus, ist ein Traum an Bachstadt. Und Wechmar, den Nachbarort gibt's zusammen mit Gotha im Doppelpack. Buchen Sie eine Übernachtung in einer der Bachstädte und erleben Sie zeitglich einen der wichtigen Bachorte, eben Wechmar. In 10 Minuten sind Sie von Gotha dort. Von Stadtmitte zu Dorfmitte, versteht sich. Beide Bach-Locations lohnen sich. Meine wärmste Empfehlung.

 

 

Lassen wir Bachstädte einmal Bachstädte sein, wir meinen ... mit dem Ranking. Dresden war – mit Abstand – die Stadt, die uns auf unseren Foto-Exkursionen am meisten beeindruckt hat. Dort gibt es bauliche Schätze in drei Reihen hintereinander. Dort weiß man nicht, ob man nach rechts zuerst oder nach links schauen soll. Ist man einmal dort, versteht man, dass es Dresden durchaus mit der Pracht von Versailles aufnehmen konnte. Nicht mit seiner Bedeutung. Wohl aber mit der Pracht. Und das – im Gegensatz zu Versailles – mitten in einer Stadt. Was hält Sie noch? Ab mit Ihnen nach Dresden. Sie erinnern sich? In Dresden gewann Bach den denkwürdigen Musikwettbwerb mit dem Franzosen Louis Marchand. Das alleine macht Dresden zur Bachstadt.

 

 

Im Reichstag hat er allerdings nicht gespielt ... unser Johann Sebastian. Aber in Berlin, beim König von Preußen, beim "Alten Fritz". Klar ist Berlin damit eine der Bachstädte. Und Musikinstrumente hat Bach dort ebenfalls bestellt und später auch abgeholt.

 

 

Beinahe, ja beinahe wäre Hamburg eine der "richtigen" Bachstädte geworden. Doch Johann Sebastian hätte für einen Top-Job hier bezahlen müssen. Man kaufte sich nämlich damals in eine solche Position ein. Es hätte sich mit der Zeit ganz sicher auch gerechnet. Doch war das in der Zeit kurz nach Maria Barbaras Tod und mit der Sorge, seine Kinder ernähren zu können und ohne Frau wollte Johann Sebastian Bach dieses Risiko nicht eingehen.

 

 

Weißenfels ist eine der kleineren Bachstädte, in denen Johann Sebastian Bach die Musikkapelle des dortigen Regenten beriet.

 

 

Gräfenroda ist im Buch eines der ersten Bach-Biografen erwähnt. Reicht das, um in den Kreis der Bachstädte und Bachorte aufgenommen zu werden? Oder steckt viel mehr hinter unserem Hinweis? Johann Sebastian jedenfalls war auch hier gewesen, ... das allerdings wäre in diesem Falle bei Weitem nicht Grund genug.

 

Andisleben, einer der weniger wichtigen Bachorte. Aber nicht für unsere amerikanischen Bachs: Für sie ist Andisleben Dreh- und Angelpunkt ihrer Verbindung zum Komponisten, es war ihr Hub – wie man heute neudeutsch sagt – in die Neue Welt, Amerika.

 

 

Die 20. der Bachstädte: In Potsdam hatte Johann Sebastian Bach seinen mit Abstand bedeutendsten musikalischen Auftritt vor König Friedrich II von Preußen.

 

 

In eigener Sache: Der "Gau" für einen Fotografen mit Leib und Seele ist, wenn er ein Ziel ansteuert, wenn dort ein Teil eines der fotografierenswerten Highlights eingerüstet ist. Zum Beispiel der rechte hintere Pfeiler des Eiffelturms in Paris oder die linke Seite des Brandenburger Tores in Berlin. In Potsdam war das damals nicht mit einem Gebäude der Fall, es waren sämtliche spannenden Gebäude – ausnahmelos – eingerüstet oder mit einem Bauzaun versehen und eigentlich ... unfotografierbar.

 

Einzig: Das war für meinen Mann schließlich die Herausforderung. Wenn Sie sehen wollen, was für ihn da trotzdem so ging, wenn man Zweige und Geländer "nutzt", um Hässliches dahinter zu verstecken, dann klicken Sie hier zu weiteren, eigentlich ... zu allen Motiven in Potsdam, ... Dutzende.

 

Wenn diese Restaurierung in der Zukunft einmal abgeschlossen sein wird, dann, ja dann ist Potsdam ein Traum für jeden Fotografen. Dann ist es mehr als nur eine Reise wert. Und auch wir kommen dann wieder und machen noch bessere und noch viel mehr Bilder. Von dieser Traumstadt ... von dieser 20. der Bachstädte.

 

Potsdam soll damit das letzte Motiv in der Reihe der Bachstädte und Bachorte sein. Mehr finden Sie hier, mit einem Klick natürlich. Nämlich die Nummer 21 bis 33. Und an einer ganz anderen Stelle des Bach-Portals "Bach über Bach" gibt's Portraits der spannendsten Bachstädte und Bachorte Richtig mit Bildern, Film, Musik und gesprochenem Text. Klar von Profis, und die Musik von Bach, aber nicht nur. Videos über Bachstädte und Bachorte.

 


33 Musik-Kalender, 33 Komponisten-Kalender und – selbstverständlich – auch 33 Bach-Kalender

Passend zu dieser Seite und dem Thema kommt nur einer der Bach-Kalender infrage: Nämlich der mit den 12 bekannten und auch wirklich richtig unbekannten Bach-Denkmälern. Im Shop können Sie übrigens zu jedem der Bach-Kalender, aber auch zu jedem der 33 Musik-Kalender und Komponisten-Kalender alle 1.188 Monatsblätter ansehen. Und so funktioniert das: Im Shop die entsprechende Kalender-Rubrik auswählen, dann das Bild des Kalenders anklicken, der Ihnen gefällt und schließlich ist es nur noch ein wenig Scrollen: Am unteren Seitenrand sind sie alle: die Monatsblätter der 99 Musik-Kalender. Hier geht's zum Shop.

 

 

 

 

 

 

Renate Bach Verlag - Inhaber: Renate Bach - Bildstrasse 25 - D-74223 Flein - Tel.: ++49 - 71 31 - 57 67 61 - info (at) bach4you.de      

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Renate Bach